…nach innen hören…


Bei Bildung geht es um Menschen. Die Zukunft der Bildung muss lebendig sein.

Wir wollen uns als Teil unserer Umwelt verstehen. Wir wollen uns weiterentwickeln, zu einer Welt, in der nicht auf Kosten von Natur und Menschen gehandelt wird. Wir brauchen neue Paradigmen. Wir müssen sie nicht erfinden. Sie sind bereits vielfach entdeckt und reifen hier und dort kraftvoll heran. Sie führen uns aus einer dualistischen, objektivistischen Denke hinein in eine zeitgemäße Perspektive der integralen, ganzheitlichen Weltsicht: Rationalität, Vernunft, Differenzierung, Analyse, Kausalität usw. sind wertvolle Instrumente, die bis heute unsere Organisation von Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und unser Bildungssystem prägen. Doch sie erfassen nur die eine Seite unserer Welt, nämlich die messbare, analysierbare, im Detail planbare Seite. Das Lebendige, der Mensch und soziale Systeme, in dem sich Menschen begegnen, sind nur sehr begrenzt mess- und kontrollierbar. Natürlich können sie auch rational und vernünftig wirken, aber vor allem sind sie bedürfnisorientiert, komplex und irrational. Sie verändern sich stetig, sind in selbstregulierender Wechselwirkung mit innerer und äußerer Umgebung, nur begrenzt vorhersagbar, geleitet von Wünschen, Ängsten, Hoffnungen, Ärger und Freude… Diesem zentralen Anteil lebendiger Systeme wurde in der Vergangenheit bei der Organisation von Bildungseinrichtungen zu wenig Beachtung geschenkt.

Ein Bildungssystem mit neuen Paradigmen

Alte ParadigmenNeue Paradigmen
Hierarchisch organisierte, lineare, dualistische, reduktionistische, kausale, exogenistische, … Ansätze sind für unbelebte Bereiche eine wertvolle BasisSelbstorganisierende, kreisläufige, integrale, ganzheitliche, systemische, konstruktivistische, … Ansätze sind kein Ersatz alter Ansätze, sondern eine perspektivische Erweiterung
Das Bildungssystem ist wie eine komplizierte Maschine: Wenn ein bestimmter Teil nicht funktioniert, kann es durch spezifische Bildungsmaßnahmen optimiert werden.  Das Bildungssystem ist wie ein komplexes Ökosystem: Wenn ein bestimmter Teil nicht funktioniert, regeneriert es sich bei guten „ökologischen“ Bedingungen von selbst.
Junge Menschen sollten erzogen, gelehrt, kontrolliert,  zensiert und qualifiziert werden.Menschen brauchen liebevolle Beziehungen, Orientierungsstrukturen und Inspiration, auf deren Grundlage sie sich frei entfalten können.

Wie können „Bildungseinrichtungen“ der Zukunft aussehen? Wie können sie als Orte, Beziehungsgefüge oder Prozesse gedacht werden? Wie lassen sich Bildungswege, Schulen, Lerngemeinschaften etc. lebendig gestalten, …




… als Gemeinschaft von Individuen…




… als freier Prozess von Fragen, Spiel, lange Weile, Experimente, Widersprüche und Reflexion…




… als Beziehung zur Natur …




… als sicherer Kurort für innere und äußere Konflikte …




… als gestaltbare Wohlfühloase…




… als Basislager für Ausflüge und Reisen…




… als Geburtsstätte für Herzensprojekte und Selbstwirksamkeit …




… als Spiegel gesellschaftlicher und individueller Vielfalt …




… als Demokratie- und Zukunftslabor…




… als Rückbesinnungsraum zu den eigenen Wurzeln …




… als Upcycling-Initiative von Fehlern und Problemen…




… als vernetztes Nachbarschaftszentrum…




… als Übungsraum zur Gestaltung von Beziehungen …




… als ein Weg zur Selbstbestimmung in Natur und Welt…




… als Keimzelle für zukunftsfähige Lebensformen …




… als Festival für Wissenschaft, Kunst und das Unbeschreibliche …

… … …


Visionen sollen keine Tatsachen verdrängen, sondern subtile Wahrnehmungen der Gegenwart zu Bildern zukünftiger Entwicklungen verdichten. Ein visionärer Dialog kann individuelle Orientierung und Bewusstsein schaffen, kollektive Werte weiterentwickeln und hat möglicherweise die Tendenz einer selbsterfüllenden Prophezeiung.

Hast du Visionen freier Bildung? Welche Gefühle, Gedanken und Ideen kommen kommen bei dir auf?




Eine Bildungslandschaft als ein buntes, dynamisches Netzwerk individueller Lerngemeinschaften

Wie können wir uns diesen und anderen Visionen Stück für Stück nähern? Wie können sich bestehende Bildungseinrichtungen im schulischen und außerschulischen Bereich weiterentwickeln? Wie entstehen neue lokale Bildungsgemeinschaften eingebettet in ihrem spezifischen Umfeld? Wie erkennen und gestalten wir die dafür notwendigen Bedingungen für selbstbestimmte Bildungswege?

Der Fokus kann stärker auf den sozialen Kontext gerückt werden:

„Freie Lerngemeinschaften“ als „Nährboden“ für freie Bildung

Was heißt „Gemeinschaft“?

Es geht um die Weiterentwicklung von „Pseudo-Gemeinschaften“, also Gruppen von Menschen, die durch vorgesetzte Werte in Verbindung stehen, wie es z.B. in den meisten Schulklassen der Fall ist. Es geht um eine natürlich gewachsene Gemeinschaft, deren Werte sich durch freiwillige Beziehungen gleichwertiger Individuen allmählich entwickeln. Es geht jenseits von Vereinheitlichungs- oder Zugehörigkeitsdogmen um offene einzigartige Beziehungen auf Augenhöhe. Es geht um Gemeinschaften, die individuelle Gestaltungsfreiheit hervorbringen, in denen sich Menschen selbstbestimmt und verantwortungsbewusst entfalten können.

Wie können wir Lerngemeinschaften entwickeln? Was könnte bestehenden Schulen, Bildungseinrichtungen, Jugendclubs etc. dabei helfen, ihre Organisation, ihr soziales Wirken und die Selbstbestimmung ihrer Beteiligten zu stärken? Was unterstützt einzelne Individuen dabei, sich zusammenzuschließen und freie Lerngemeinschaften entstehen zu lassen?

Ausgefeilte Pläne beiseite zu legen sind eine erste wertvolle Grundlage: Wir müssen uns einlassen auf die Bedürfnisse und Ressourcen der konkreten Situation. Nur dann können wir in Beziehung gehen mit uns und unserer Umgebung. Dann können wir uns von dem großen Schatz bestehender Erfahrungen und bereits entwickelter Konzepte inspirieren lassen und gemeinsam Stück für Stück ein freies Lernumfeld schaffen. Hier ein Strukturierungsvorschlag für unterschiedliche Perspektiven die dabei eingenommen werden könnten: Der Fokus auf sechs verschiedene Bedingungsebenen, die sich parallel in gegenseitiger Wechselwirkung entwickeln. Unter „Strukturen“ sammeln sich zu jeder Ebene spezifische Fragen und Ansätze, die vielleicht interessante Impulse geben können.


Schreibe einen Kommentar