Commoning

Wie können wir Muster gemeinschaftlichen Zusammenlebens nutzen, um selbstbestimmte Lernwege zu ermöglichen?

Silke Helfrich und David Bollier beschreiben in ihrem Buch „Frei, fair und lebendig – Die Macht der Commons“ Muster gemeinschaflichen Zusammenlebens. Hierbei geht es nicht um theoretische Prinzipien, die zur Gestaltung von Gemeinschaftsprozessen genutzt werden, sondern es geht um Strukturen, die sich bei zahlreichen Gemeinschaftserfahrungen im Nachhinein als nützlich erwiesen haben. Sie beschreiben dabei drei miteinander verwobene Ebenen als „Triade des Commoning“, nämlich

  • Soziales Miteinander
  • Selbstorganisation durch Gleichrangige
  • Sorgendes & selbstbestimmtes Wirtschaften

Wenn wir diese Struktur auf Lernräume übertragen, könnte ein zentrales Ziel der Lerngemeinschaft darin bestehen, ein „sorgendes & selbstbestimmtes Lernen“ zu ermöglichen. Das wiederum wäre sark abängig von der Verwirklichung der beiden anderen Ebenen: „Soziales Miteinander“ und „Selbstorganisation durch Gleichrangige“. Auch deren Detail-Beschreibungen können daran anknüpfend als wertvolle Impulsgeber zur Gestaltung von Rahmenbedingungen freier Lerngemeisnchaften angesehen werden:

Das soziale Leben des Commoning
Gemeinsame Absichten & Werte kultivieren (…)
Rituale des Miteinanders etablieren (…)
Ohne Zwänge beitragen (…) Gegenseitigkeit behutsam ausüben (…)
Situiertem Wissen vertrauen (…) Naturverbundensein vertiefen (…)
Konflikte beziehungswahrend bearbeiten (…)
Eigene Governance reflektieren (…)  
Muster der Peer Governance
Sich in Vielfalt gemeinsam ausrichten (…)
Commons mit halbdurchlässigen Membranen umgeben (…)
Im Vertrauensraum transparent sein (…)
Wissen grosszügig weitergeben (…) Gemeinstimmig entscheiden (…)
Auf Heterarchie bauen (…)
Regeleinhaltung commons-intern beobachten & stufenweise sanktionieren (…)
Beziehungshaftigkeit des Habens verankern (…)
Commons & Kommerz auseinanderhalten (…)
Commons-Produktion finanzieren (…)  

Mehr dazu in ihrem online kostenlos zugänglichen Buch



Ein interessantes Praxis-Beispiel, wie aus einem Common ein Lernort entehen kann beschreibt Claudia Gómez-Portugal: „Über freies, selbstbestimmtes, entschultes Lernen“

In der mexikanischen Kleinstadt Tepoztlán entsteht auf Initiative einiger Familien derzeit ein Raum für freies, unabhängiges und sinnstiftendes Lernen. 14.000 Menschen leben in den sieben Vierteln der Stadt, manche davon sind indigener Herkunft oder zugewandert. Es gibt viel gemeinschaftlich genutztes Land, das hat in Mexiko Tradition. Darüber hinaus finden sich zahlreiche Initiativen alternativen Wirtschaftens – etwa die Tauschwährung Ollines oder TepozTequio, wo Menschen gemeinsam und füreinander arbeiten.1 Es gibt das TepozHub, ein von mehreren Initiativen genutztes Büro, in dem die Infrastruktur allen Beitragenden zur Verfügung steht, den Second-Hand- und Tauschladen Tepoz und das Gemeinschaftsradio Tepoztlán. All dies, so befand unsere Familie, würde ein einzigartiges Potenzial bieten, für unsere Kinder, aber auch für Jugendliche und Erwachsene, und es würde allen einen besonderen Lernkontext schaffen. So beschlossen wir, zum Wandel »von unten« beizutragen und mit vielen ähnlich Denkenden auf eine andere Bildung zu setzen. (…)

https://www.band2.dieweltdercommons.de/essays/freies_selbstbestimmtes_entschultes_lernen.html

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